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Kieferorthopädie · Aligner

Unsichtbare Aligner: was sie gut können und wo sie schwächer sind

Transparente Schienen sind angenehm und unauffällig, aber nicht für alles geeignet. Dieser Beitrag zeigt, welche Zahnbewegungen zuverlässig gelingen, welche schwierig bleiben und was nach dem Behandlungsende geschieht.

Unsichtbare Aligner: was sie gut können und wo sie schwächer sind

Die kurze Antwort

Aligner sind eine Serie herausnehmbarer Schienen, die Zähne schrittweise bewegen. Eine systematische Übersicht von 22 klinischen Studien hält sie für geeignet bei leichter bis mittelschwerer Fehlstellung bei nicht mehr wachsenden Patienten ohne Extraktionsbedarf, vorhersagbar für Nivellierung, Kippung und Derotation außer an Eckzähnen und Prämolaren, und begrenzt wirksam bei körperlicher Bogenerweiterung und Extraktionslückenschluss.

Das Wichtigste

  • Eine systematische Übersicht von 22 klinischen Studien hält Aligner für geeignet bei leichter bis mittelschwerer Fehlstellung bei nicht mehr wachsenden Patienten ohne Extraktionsbedarf.
  • Vorhersagbar sind Nivellierung, Kippung und Derotation, mit Ausnahme von Eckzähnen und Prämolaren.
  • Begrenzt wirksam sind Aligner bei körperlicher Bogenerweiterung, Extraktionslückenschluss, Korrektur der Okklusionskontakte sowie bei größeren sagittalen und vertikalen Abweichungen.
  • Eine Übersicht von 8 Vergleichsstudien berichtete eine um 6,31 Monate kürzere Behandlung als mit festsitzenden Apparaturen, jedoch schwächere Torque- und Okklusionskontrolle.
  • Ein Cochrane-Review von 47 randomisierten Studien mit 4.377 Teilnehmenden fand Evidenz niedriger bis sehr niedriger Sicherheit und keinen Beleg für die Überlegenheit einer Retentionsmethode.

Wie unsichtbar sie wirklich sind

Transparente Schienen sind unauffällig, aber nicht unsichtbar. Auf Gesprächsdistanz fallen sie auf, besonders bei hellem Licht. Zusätzlich werden in den meisten Plänen kleine zahnfarbene Kunststoffattachments aufgeklebt, die der Schiene den Angriffspunkt für eine bestimmte Bewegung geben. Sie sind farblich angepasst, aus der Nähe jedoch sichtbar.

Wir verwenden den geläufigen Begriff, weil danach gesucht wird, präziser ist jedoch die Bezeichnung transparente Aligner. Der Unterschied ist nicht kleinlich: Wer völlige Unsichtbarkeit erwartet, ist in der ersten Woche enttäuscht.

Wie Aligner funktionieren

Die Behandlung beginnt mit Scan und Planung. Aus einem digitalen Bewegungsplan entsteht eine Serie von Schienen. Jede Schiene bewegt die Zähne um einen kleinen Schritt, die nächste setzt dort an.

Die Schienen werden nahezu den ganzen Tag getragen und nur zum Essen und zur Zahnreinigung herausgenommen. Dieser Punkt liegt vollständig bei Ihnen: eine Schiene in der Box bewegt nichts. Bleibt die Tragezeit zurück, laufen Plan und Wirklichkeit auseinander, und ein neuer Scan samt neuer Serie wird nötig.

In manchen Fällen kommt eine approximale Schmelzreduktion hinzu, also ein minimales Ausdünnen des Schmelzes zwischen den Zähnen, um Platz zu schaffen. Das wird vorab geplant und besprochen und nicht stillschweigend durchgeführt.

Was sie gut können

Eine systematische Übersicht von 22 klinischen Studien kam zu dem Schluss, dass Aligner bei leichter bis mittelschwerer Fehlstellung bei nicht mehr wachsenden Patienten ohne Extraktionsbedarf geeignet sind. Vorhersagbar sind Nivellierung, Kippung und Derotation, ausgenommen Eckzähne und Prämolaren.

Praktisch deckt das viele typische Situationen bei Erwachsenen ab: leichter Frontzahnengstand, kleine Lücken, nachgewanderte Zähne nach früherer kieferorthopädischer Behandlung und die Ausrichtung vor ästhetischer Arbeit.

Eine Übersicht von 8 Vergleichsstudien berichtete eine um 6,31 Monate kürzere Behandlungsdauer (95% KI −8,37 bis −4,24) gegenüber festsitzenden Apparaturen. Dieser Vorteil gilt für Fälle, die für beide Methoden geeignet sind, nicht für jeden Fall.

Wo sie schwächer sind, laut derselben Evidenz

Dieselbe Übersicht nennt eine begrenzte Wirksamkeit bei körperlicher Bogenerweiterung, Extraktionslückenschluss und Korrektur der Okklusionskontakte sowie bei größeren sagittalen und vertikalen Abweichungen.

Die Vergleichsübersicht ergänzt, dass Aligner weniger wirksam waren als festsitzende Apparaturen, wenn es um ausreichende Okklusionskontakte, um die Torque-Kontrolle, also die Neigung der Wurzel, und um den Erhalt des Ergebnisses ging.

Diese Grenzen machen die Methode nicht schwach. Sie bedeuten, dass die Wahl zwischen Alignern und festsitzender Apparatur eine fachliche Entscheidung ist und keine Geschmacksfrage. Liegt ein Fall außerhalb des Bereichs, ist die ehrliche Antwort eine Überweisung und kein Kompromiss beim Ergebnis.

Retention und Rezidiv: der wichtigste Teil

Zähne bleiben nicht von allein in ihrer neuen Position. Auf die aktive Phase folgt die Retention mit einem Retainer, festsitzend auf der Innenseite, herausnehmbar oder als Kombination. Das ist Teil der Behandlung und kein Zusatz.

Ein Cochrane-Review von 47 randomisierten Studien mit 4.377 Teilnehmenden stellte fest, dass die Evidenz zu Retentionsmethoden von niedriger bis sehr niedriger Sicherheit ist und keine Aussage zur Überlegenheit eines Vorgehens zulässt.

Langfristig sind die Daten ernüchternd. In einer Studie mit 31 Fällen nach Extraktion von vier Prämolaren nahm der Engstand der unteren Frontzähne zwischen dem zehnten und dem zwanzigsten Jahr nach der Retention weiter zu, und nur 10% der Fälle wiesen im zwanzigsten Jahr eine klinisch akzeptable Ausrichtung auf, ohne erkennbare Prädiktoren für Stabilität. Deshalb sprechen wir bei Retention über einen langen Zeitraum.

Was vor dem Start in Ordnung sein muss

Zähne durch entzündetes Zahnfleisch zu bewegen verschlechtert den Zustand. Karies wird deshalb zuerst behandelt, die Entzündung unter Kontrolle gebracht und eine professionelle Reinigung durchgeführt. Ist Knochen um die Zähne verloren gegangen, berücksichtigt der Plan diese Einschränkung.

Aligner sind für sich genommen keine ästhetische Behandlung, häufig aber der erste Schritt dorthin. Sind die Zähne ausgerichtet, genügt manchmal eine kleine Korrektur mit Composite statt einer Präparation für Veneers. Das ist die schonendere Reihenfolge, wenn der Fall sie zulässt.

Aligner haben keinen veröffentlichten Preis, da Schienenzahl und Komplexität variieren. Der Kostenvoranschlag entsteht schriftlich nach der Untersuchung und schließt den Retainer ein.

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Was die Evidenz zeigt

−6.3

Monate kürzere Behandlung mit Alignern als mit festen Spangen

Systematische Übersicht von 8 Vergleichsstudien: gewichtete mittlere Differenz −6,31 Monate. Zugleich sind Aligner weniger wirksam als feste Apparaturen bei okklusalen Kontakten, Torque-Kontrolle und Retention.

Quellen

Ke Y, Zhu Y, Zhu M. A comparison of treatment effectiveness between clear aligner and fixed appliance therapies. BMC Oral Health 2019;19:24. (öffnet in einem neuen Fenster) · Rossini G, et al. Efficacy of clear aligners in controlling orthodontic tooth movement: a systematic review. Angle Orthod 2015;85(5):881–889. (öffnet in einem neuen Fenster)

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Nahezu den ganzen Tag. Herausgenommen werden sie zum Essen, für heiße oder färbende Getränke und zur Zahnreinigung. Ihr genaues Regime steht in Ihrem Plan. Die Tragezeit beeinflusst den Zeitrahmen am stärksten: weniger Stunden am Tag bedeuten, dass die Bewegung hinter der Planung zurückbleibt.

Ein Druckgefühl und Empfindlichkeit in den ersten ein bis zwei Tagen nach jedem Schienenwechsel sind üblich und lassen dann nach. Sind die Beschwerden stark, anhaltend oder eindeutig einem Zahn zuzuordnen, sollte das in einem Termin abgeklärt werden, statt auf die nächste Schiene zu warten.

Ohne Retainer können sie das, langfristig in gewissem Maß auch mit. In einer Studie mit 31 Extraktionsfällen nahm der Engstand der unteren Frontzähne zwischen dem zehnten und zwanzigsten Jahr weiter zu, und nur 10% wiesen nach zwanzig Jahren eine klinisch akzeptable Ausrichtung auf. Retention gilt deshalb langfristig.

Ja, kurzzeitig. Gelegentlich ein bis zwei Stunden ohne Schiene gefährden die Behandlung nicht, regelmäßig fehlende Stunden verlangsamen sie jedoch und können eine neue Serie erforderlich machen. Steht ein Zeitraum bevor, in dem Sie sie nicht tragen können, sagen Sie es vorher.

Das ergibt sich aus Untersuchung, Fotostatus, Scan und Röntgenbefund, nicht aus einer Beschreibung oder einem Handyfoto. Die Untersuchung zeigt, ob der Fall im Bereich der Methode liegt. Ist das nicht so, besprechen wir die Alternativen, einschließlich einer Überweisung für eine festsitzende Apparatur.

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